21 Tote, über 800 Verletzte bei Unruhen in Bangkok
Die Massenproteste gegen die Regierung eskalierten am 10. April. In Bangkok kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Militär und Rothemden, mindestens 21 Menschen wurden getötet und über 800 verletzt.
Die Protestaktionen gegen die thailändische Regierung haben am 10. März erstmals Menschenleben gefordert: Mit großer Härte gingen Polizei und Soldaten gegen Zehntausende Oppositionelle vor. Mindestens 20 Menschen wurden bei den Straßenkämpfen in Bangkok nach Angaben des Gesundheitsministeriums getötet, über 800 verletzt. Bei den Toten handelt es sich um 16 Zivilisten und fünf Soldaten.
Unter den Toten ist auch ein japanischer Kameramann, der für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters arbeitete.
Ein Armeesprecher teilte mit, daß fünf Soldaten von den Regierungsgegnern als Geiseln festgehalten würden.
Es sind die schwersten Unruhen in dem südostasiatischen Land seit dem Schwarzen Mai 1992. Berichten zufolge wurde bei den Straßenkämpfen scharf geschossen, Granaten abgefeuert. Die Armee sprach allerdings von Warnschüssen in die Luft… Augenzeugen berichteten gegenüber BBC von gezielten Schüssen auf Demonstranten.
Es gab jedoch Berichte, daß mehrere Menschen Schußwunden erlitten haben. Unter den Verletzten sind nach Militärangaben rund 60 Sicherheitskräfte.
Premierminister Abhisit machte in einer Fernsehansprache kurz vor Mitternacht deutlich, daß er sich dem Druck der Straße nicht beugen wolle. Zugleich versprach er transparente Ermittlungen zum Verlauf der Unruhen. Die Armee zog sich im Laufe der Nacht wieder zurück, die Räumung der Demo-Meilen ist demnach nicht gelungen.
Auf den Straßen lagen nach der Schlacht Patronenhülsen, Steine und Tränengaskanister. Die schwersten Kämpfe ereigneten sich in der bei Rucksacktouristen beliebten Khao San Road, einer Parallelstraße zur Ratchadamnoen Avenue nahe Sanam Luang. Touristen konnten beobachten, was dort vorfiel. So berichtet AP, daß die Soldaten keine Gnade kannten und auch einen Mönch verprügelten, der ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Ein japanischer Tourist, der „nur“ ein rotes T-Shirt trug, wurde niedergeknüppelt. Die Demonstranten werten sich mit Molotow-Cocktails, brennenden Gasflaschen und Knüppeln. Einige sollen auch Schußwaffen bei sich geführt haben.
Ein Journalist von Reuters bezeichnete die Khao San Road als „Kriegsgebiet“. Fenster von Geschäften gingen zu Bruch, Autos wurden demoliert, Verwundete lagen auf der Straße.
Um Vertuschungsversuche seitens der Regierung zu vermeiden, drangen Rothemden in das Krankenhaus Hua Chiew ein und „stahlen“ die Leichen zweier bei den Protesten gestorbener Rothemden. Diese wurden in thailändische Flaggen eingehüllt und an der immer noch besetzt gehaltenen Phan-Fa-Brücke aufgebahrt.
Die Lage in Bangkok kann zur Zeit als „unübersichtlich“ beschrieben werden.
